FEATURE | 5 Feb 2026

„Friedensbildung fördert Zukunftskompetenz.“

Neues Sachbuch über Frieden und Krieg für Jugendliche

image missing ALT text Jugendliche nehmen an einem unserer Workshops teil.

Unsere Kollegin Anne Kruck spricht darüber, wie junge Menschen heute mit Konflikten umgehen und was ihnen hilft, diese zu verstehen und darauf zu reagieren.


 

Mit „Frieden und Kriege“ hat unsere Kollegin Cora Bieß ein politisches Sachbuch für Jugendliche ab 12 Jahren verfasst. Anne Kruck, Head of Peace Education Unit und Fachberaterin des Buchs, spricht über die Bedeutung der Friedenspädagogik, wie junge Menschen heute mit Konflikten umgehen und wie sie das Buch dabei unterstützen kann.

Dieses Interview wurde ursprünglich vom Ravensburger Verlag zur Bewerbung des Buches „Frieden und Kriege“ veröffentlicht, das in Zusammenarbeit mit der Berghof Foundation herausgegeben wurde. Weitere Informationen zum Buch finden Sie auf deren Website.

Cover des Buches Frieden und Kriege

Wie wichtig ist Friedenspädagogik heute?

Anne Kruck: Friedenspädagogik ist mehr als Wissensvermittlung. Sie stärkt Haltungen und Fähigkeiten: Empathie, Perspektivwechsel, konstruktive Kommunikation, Beteiligung. Jugendliche erleben derzeit eine Dichte an Krisen – von Kriegen bis Klimawandel. Wir geben Orientierung und Handwerkszeug, damit Konflikte ohne Gewalt bearbeitet werden können – auf dem Schulhof genauso wie zwischen Staaten.

Entscheidend ist das Kinder die Chance bekommen, mitzugestalten. So haben wir z. B. „Peace Days“ an Schulen entwickelt – Aktionstage, die Themen aus dem Buch ins Klassenzimmer holen.

Wie arbeitet die Berghof Foundation mit Jugendlichen?

AK: In Baden-Württemberg betreiben wir gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung und dem Kultusministerium die Servicestelle Friedensbildung. Über das Portal bieten wir Unterrichtsideen, Arbeitsblätter, Poster und Erklärvideos an. Auch Workshops für Klassen und Fortbildungen für Lehrkräfte werden hier vermittelt. Die Website http://www.frieden-fragen.de existiert als Archiv mit kinder- und jugendgerechten Inhalten. Viele unserer Angebote sind hybrid oder digital, somit bundesweit und über die Landesgrenzen hinaus nutzbar.

 

Was erwartet die Jugendlichen in „Frieden und Kriege“?

AK: Es thematisiert, was im Krieg passiert aber auch, wie Kriege und bewaffnete Konflikte entstehen. Uns war auch wichtig, dass Flucht und Migration behandelt und Wege zum Frieden aufgezeigt werden. Wir wollten mit dem Buch den Jugendlichen auch Strategien an die Hand geben, mit denen sie Konfliktverhalten und -situationen im Alltag besser bewältigen können.

Dazwischen finden sich Geschichten von Menschen aus Konfliktkontexten – nicht in einer Opferrolle, sondern mit Handlungsmacht. Wir zeigen etwa, wie wie sie durch Engagement Selbstvertrauen zurückgewinnen . Außerdem gibt es Überraschungsmomente und viele konkrete Handlungsoptionen sowie Hinweise zum Weitermachen. Das Buch ist nicht als Einmallektüre konzipiert. Wir hoffen, dass es die Jugendlichen eher als personalisiertes Nachschlagewerk nutzen und immer wieder in die Hand nehmen.

Welchen Vorteil hat die Konzeption als Eintragebuch?

AK: Jugendliche lernen unterschiedlich. Manche wollen reflektieren und Gedanken notieren, andere probieren Dinge aus. Unsere offenen Reflexionsimpulse sind Einladungen, keine Pflichtaufgaben. Wer tiefer einsteigen will, findet Links und Übungen – fürs Alleinlesen, zum Besprechen, zur Bearbeitung im Freundeskreis oder für den Unterricht. Schon ein Klassiker ist zum Beispiel die „Orangen Geschichte“ aus der Mediation: Statt um Positionen zu streiten („Wer bekommt die Orange?“), fragen wir nach Interessen („Wofür brauchst du sie?“). So entstehen Lösungen, auf die man ohne Perspektivwechsel nicht kommt.

Viele beobachten ein raueres Miteinander – auf dem Schulhof wie online. Was setzen Sie dem Recht des Stärkeren entgegen?

AK: Kinder und Jugendliche lernen von Vorbildern. Wenn in der großen Politik scheinbar Stärke alles entscheidet, sendet das Signale bis in die Klassenzimmer. Friedenspädagogik steht für Beteiligung und faire Regeln. Regeln werden nicht falsch, nur weil sie gebrochen werden – Unrecht bleibt Unrecht. Wer mitentscheiden darf, hält Regeln eher ein. Und: Wir üben Sprache, die deeskaliert statt anzuheizen, bringen den Jugendlichen bei, Gefühle zu benennen, Grenzen anderer zu wahren und Lösungen zu suchen.

Tagesaktuelle Konflikte sind auch bei Jugendlichen schon Thema. Liefert das Buch dazu Einordnung?

AK: Wir haben uns bewusst gegen Kurzprofile aktueller Kriege entschieden – drei, vier Zeilen würden zu stark verkürzen. Stattdessen verlinken wir auf verlässliche Konfliktanalysen – u. a. über die Servicestelle Friedensbildung. Wir empfehlen Jugendlichen auch qualitätsjournalistische Angebote zu nutzen, da in Social-Media-Clips oft nur wenig Kontext geboten wird.

Welche Stimmungslage erleben Sie bei Jugendlichen?

AK: Viele sind besorgt und wünschen sich Beteiligung. Studien verweisen auf Kriege als dominantes Sorgenthema; zugleich fühlen sich viele von der Politik nicht ernst genommen. Sie suchen nach Sinn und Gestaltungsmöglichkeiten. Genau da knüpfen wir an: Selbstwirksamkeit statt Ohnmacht, begründete Hoffnung statt Resignation.

Erreichen Sie heute mehr Anfragen als noch vor einigen Jahren?

AK: Wir verzeichnen eindeutig einen Anstieg. Lehrkräfte, Schulleitungen, Eltern – das Interesse wächst stark. Viele fragen: Wie reden wir konstruktiv über Krieg und Frieden? Wie gehen wir mit den Ängsten der Jugendlichen um? Wir können ihnen helfen, Themen einzuordnen, sie ermutigen Kontroverse zu akzeptieren, ihre Dialogfähigkeiten stärken. Friedensbildung ist keine Verweigerung der Realität, sondern Zukunftskompetenz. Sie zeigt Alternativen auf, macht Kosten von Gewalt sichtbar und stärkt Fähigkeiten, die jede Demokratie braucht: zuhören, verhandeln, Konflikte regeln.

Was soll das Buch bei Jugendlichen bewirken?

AK: Wenn sie das Buch nach dem Lesen und Reflektieren zur Seite legen und sagen: Ich habe weniger Angst – und mehr Ideen, was ich tun kann“, hat es seinen Zweck erfüllt.


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